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Historisches zum Jagdgeschwader 4

Die erste Gruppe des Jagdgeschwaders 4 (I./JG 4) wurde 1942 in Rumänien zum Schutz von Ploiești aufgestellt. Das rumänische Erdölzentrum war damals die größte europäische Raffinerieanlage, die der deutschen Wehrmacht etwa ein Drittel ihres Bedarfs an Flugbenzin sowie Kraftstoff für Panzer und andere Fahrzeuge lieferte. Die dortigen Erdölfelder hatten in Anbetracht des kriegsbedingt ständig steigenden Kraftstoffbedarfs immer mehr an Bedeutung gewonnen und so wurde die Umgebung von Ploiești, etwa 50 km nördlich der rumänischen Hauptstadt gelegen, zusammen mit dem Gelände innerhalb der Produktionsstätten von deutscher und rumänischer Flak geschützt. Die Luftverteidigung lag nach Auflösung der bis dahin in Pipera stationierten Ergänzungsjagdgruppe (EJG) 77 ausschließlich bei rumänischen Verbänden. Der Luftwaffe war bekannt, dass die Amerikaner Langstreckenbomber besitzen, mit denen sie Ploiești von ihren Einsatzbasen in Nordafrika aus erreichen konnten und die Gefahr eines bevorstehenden Luftangriffs schien sich zu bestätigen, als die USA den Balkanstaaten Rumänien, Ungarn und Bulgarien am 5. Juni 1942 den Krieg erklärte. Aus deutscher Sicht sollte hiermit eine rechtliche Grundlage für bevorstehende Angriffe geschaffen werden. In der Tat hatte die USAAF im Sudan 23 viermotorige Bomber vom Typ „Liberator“ B-24 stehen, die eigentlich für den Einsatz gegen die Japaner im Fernen Osten bestimmt waren. Am 11. Juni 1942 startete diese Formation dann ihren ersten Einsatz mit einer Länge von 4200 km gegen Ploiești. Die angerichteten Schäden blieben zwar gering, aber die psychologische Wirkung war ungeheuer. Dass die Bomber auf derart geringe Gegenwehr gestoßen waren, irritierte das deutsche Oberkommando und so wurden sofortige Gegenmaßnahmen beschlossen. Ploiești und seine zehn Millionen Tonnen Raffinerieprodukte, die jährlich dort gewonnen wurden, waren die Achillesferse, die es rechtfertigte, die Gegend zu einer wahren Luftabwehr-Festung auszubauen, um ein geographisch zwar eng begrenztes, strategisch aber immens wichtiges Gebiet zu schützen. Die Flakeinheiten wurden deutlich verstärkt und zum weiteren Schutz wurde ein kleiner deutscher Jagdfliegerverband aufgestellt – die Ölschutzstaffel Ploiești.

Die Entstehung des JG4

Der Kern dieser Ölschutzstaffel wurde von ehemaligen Piloten der I./JG 77 gebildet, die gerade zur Auffrischung von Russland nach Rumänien verlegt worden waren. Der erfolgreiche Leutnant Günter Hannak (zuvor Führer der 1./JG 77), der zu dieser Zeit bereits 40 Luftsiege vorzuweisen hatte, wurde mit der Aufstellung der neuen Staffel betraut. Sein Kommando wurde durch weitere erfahrene Flugzeugführer anderer Einheiten verstärkt, die zusammen etwa 80 Luftsiege errungen hatten. Anfang Juli 1942 war die Ölschutzstaffel, die nun über sieben Bf 109/E-7 und fünf Bf 109/F-4 verfügte, vollständig und einsatzbereit. Doch bereits am 31. Juli 1942 fand die Geschichte der jungen Ölschutzstaffel ihr offizielles Ende, als sie von Oberleutnant Georg von Ahlefeldt-Dehn übernommen und in 1./JG 4 umbenannt wurde. Dies war die Geburtsstunde der I. Gruppe des Jagdgeschwaders 4.

Kommandeur der I./JG 4 wurde Hauptmann Franz Hahn, der bereits seit dem Polenfeldzug im Einsatz war und bis zum Herbst 1942 über 20 Luftsiege errungen hatte. Nachdem die alten "Emils" der 1. Staffel gegen neue Bf 109/G-2 ausgetauscht worden waren, begann man im Januar 1943 mit der Aufstellung eines Gruppenstabes und zwei weiterer Staffeln. Um das kostbare Öl zu schützen, unterstützte auch die rumänische Luftwaffe die neue deutsche Jagdgruppe mit einem Dutzend der besten – und reichsten – Piloten. Die meisten von ihnen zahlten „ihre“ Bf 109 aus eigener Tasche und waren sehr gute Piloten. Obwohl die „Zigeunerstaffel“, wie sie von den anderen Staffeln des JG 4 genannt wurde, nie so recht das Vertrauen der Deutschen Piloten gewann, wurde sie dem Stab der I./JG 4 unterstellt und in 4./JG 4 umbenannt.

Bereitschaft und Operation Tidal Wave

Somit war die erste Gruppe komplett und die Piloten harrten nun der Dinge, die da kommen mochten. Rumänien war jedoch ein ruhiges Fleckchen Erde und so nutzte man die Wochen, um den Ausbildungsstand durch Übungsflüge und Taktikunterricht zu heben. Vom Krieg war hier kaum etwas zu spüren und so genossen die Flieger das, was ihnen das Land bot. Die Verpflegung war erstklassig, dann und wann lieh man sich einen Wagen aus, fuhr über das Land, nahm an Festen teil und man baute sich sogar ein kleines Schwimmbad, um die Untätigkeit und das heiße Klima besser zu ertragen. Nach dieser zunächst ruhigen Zeit wurde das rumänische Erdölzentrum am Sonntag, 1. August 1943, von 165 Boeing B-24 „Liberators“ der 376., 98., 93. und 44. Bombergroup der US-Air Force angegriffen. Obwohl die Bomber das Ziel im absoluten Tiefflug ansteuerten, kam der Angriff nicht überraschend, denn die amerikanischen Maschinen wurden bereits im Anflug von Luftraumbeobachtern erkannt und gemeldet. Die deutsche Jägerleitstelle in Otopéni verfolgte ständig den Kurs der Bomber und ließ die I./JG 4 in Alarmbereitschaft versetzen.

Nachdem die B-24-Verbände Ploiești erreicht hatten, herrschte dort totales Chaos. Die Flak feuerte wie wild, Explosionen und durch Brände aufsteigende heiße Luft schüttelten die amerikanischen Bomberbesatzungen regelrecht durch. Mehrere Bomber wurden durch die Seile der Sperrballone zerschnitten und als die restlichen Maschinen endlich aus dieser Hölle herauskamen, warteten bereits die Bf 109 der I./JG 4 auf sie. Im nun folgenden Luftkampf erzielen die deutschen Jagdflieger zehn bestätigte Abschüsse. Obwohl der Angriff auf Ploiești die Treibstoffproduktion für einige Monate verringerte, war die so genannte „Operation Flutwelle“ auch ein schwerer Schlag für die amerikanischen Bomberverbände. Von den 165 Boeing B-24 gingen 52 verloren und von den ursprünglich 178 beteiligten Maschinen waren am Tag nach dem Einsatz nur 33 einsatzklar. Fast 900 Mann waren gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft geraten.

Abzug aus Rumänien

Der Angriff vom 1. August 1943 war der erste und zugleich letzte Einsatz, den die I./JG 4 in Rumänien flog. Nachdem die Flugzeugführer im November 1943 mit dem Orientexpress in Richtung Leipzig aufgebrochen waren, nahmen sie dort werksneue Messerschmitt Bf 109 G-6 in Empfang und wurden anschließend nach Italien verlegt, um die Luftflotte 2 zu verstärken und um die ausgeblutete III./JG 77, die zur Erholung und Auffrischung nach Rumänien kam, zu ersetzen.